Lange Verspätungen im Zugverkehr

Dutzende Reisende müssen nach Nothalt in Busse umsteigen – Letzte abendliche S-Bahn-Verbindung fällt aus

Von Bernhard Herrmann und Frank Walter Seelze. Mehrere Dutzend Reisende saßen am Sonntagabend im Intercity auf der Fahrt von Berlin nach Münster in Seelze fest. Der Zug hatte gegen 23 Uhr auf dem Gleis 2 im Bahnhof Seelze eine Frau erfasst. Der Lokführer machte eine Notbremsung. Die Lok mit den acht angehängten Waggons kam aber erst rund einen Kilometer weiter in Höhe der Rudolf-Breitscheid-Straße zum Stehen. Die Regionsleitstelle alarmierte um 23.06 Uhr die Ortsfeuerwehren Seelze und Letter. Ein Notarzt konnte aber nur noch den Tod der Frau feststellen. Die Polizei geht von einem Suizid aus. Während der anschließenden Bergungsarbeiten kamen 15 besonders erfahrene Feuerwehrleute zum Einsatz. Für die Ermittlungsarbeiten der Polizei wurde der gesamte Personen- und Güterzugverkehr durch Seelze eingestellt. Es kam im Zugverkehr zu Verspätungen von bis zu drei Stunden. Diese wirkten sich auf weite Teile Nordwestdeutschlands aus. Die Reisenden im Intercity saßen nach Feuerwehrangaben rund eine Stunde lang im Zug auf offener Strecke fest. Die Bahn AG schickte eine Ersatzlok, mit deren Hilfe die Waggons zurück zum Bahnhof geschoben wurden. Dort stiegen die Fahrgäste in zwei Reisebusse um, die sie an den geplanten Zielort Münster brachten. Einzelne Reisende fuhren mit Taxis zurück nach Hannover, um andere Zugverbindungen zu nutzen. Betroffen waren auch mehrere Hundert Reisende, die sich in den letzten Zügen des Tages befanden. Ein Intercity-Express in Richtung Bielefeld hatte mehr als zwei Stunden Verspätung, ebenso ein ICE in entgegengesetzter Richtung. Auch auf der Strecke von Hannover nach Bremen wurden lange Verspätungen registriert. Ein letzter Regionalzug über Seelze nach Bremen wurde gänzlich gestrichen. Auch die letzte S-Bahn über Wunstorf nach Minden mit Abfahrt um 22.40 Uhr in Seelze fuhr nicht mehr. Der Einsatz für die Ortsfeuerwehr Seelze war nach knapp drei Stunden beendet.

Leinezeitung, 09.11.2010